150 Jahre Kampf gegen die Flammen und für die Bürger

Ihr 150-jähriges Bestehen feiert am Sonntag, 28. Oktober, die Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte. 1862 wurde sie als Turnerfeuerwehr des Oldenburger Turnerbundes (OTB) im Zuge der freiheitlich-demokratischen bürgerlichen Einigungsbewegung gegründet. Sie steht damit nicht, wie oftmals angenommen, in militärischer Tradition, sondern repräsentiert Demokratie, Bürgersinn und ehrenamtliches Engagement.

Nach der Niederschlagung der freiheitlich-demokratischen deutschen Einigungsbewegung 1848 durch österreichischen und preußischen Truppen mussten die Demokraten ihre Aktivitäten in den Untergrund verlegen. Die aufkommende Turnbewegung mit großen nationalen Turnertreffen bot dazu ein ideales Netzwerk. So war das Turnen allein auch beim OTB nicht die Absicht der Mitglieder, sondern das Streben nach einem vereinten freiheitlich-demokratischen deutschen Nationalstaat. Der OTB sei „keine Vergnügungsanstalt“ formulierte es 1864 dann auch der 1. Vorsitzende Georg Propping.

1861 regte der damalige Stadtdirektor Johann Wöbken an, neben der ineffektiven und schlecht ausgebildeten städtischen Pflichtfeuerwehr – einer Wehr aus per Feuerlöschverordnung verpflichteten Bürgern – zusätzlich eine Freiwillige Feuerwehr einzurichten. Die Möglichkeit, als Staatsbürger für die Allgemeinheit selbst aktiv zu werden und körperliche Fitness für Mitmenschen und Vaterland einzusetzen, passte zu den Idealen der Turner, denn die Turnvereine waren im 19. Jahrhundert Orte gelebter bürgerlicher Demokratie. Nachdem Wöbken die Feuerversicherer dazu gewinnen konnte, Ausrüstung und Gerät zu finanzieren, erklärte sich der OTB bereit, die neue Wehr aufzustellen, deren Gründung am 30. April 1862 erfolgte. Damit war der Schritt weg von einer allgemeinen Löschpflicht für jedermann hin zu einer Übertragung des städtischen Lösch- und Rettungswesens an eine professionelle, gut ausgebildete und jederzeit einsatzbereite Gruppe uniformierter Freiwilliger getan. Der erste Standort der Turnerfeuerwehr war von 1862 bis 1881 das heutige Theater Laboratorium.

Nach 150 Jahren in der Stadtmitte – zuletzt in der Auguststraße – ist die Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte im Sommer zusammen mit der Berufsfeuerwehr, die 1937 aus der Einheit hervorging, in die neue Feuer- und Rettungswache 1 im Stadtteil Bürgerfelde umgezogen. Ortsbrandmeister Jens Bräuer und seine 30 freiwilligen Feuerwehrleute setzen dort die Tradition des ehrenamtlichen Engagements fort, die 1862 begonnen hat. Wer dieses Engagement teilen und in der Freiwilligen Feuerwehr mitwirken möchte, ist herzlich eingeladen nach Absprache an einem Übungsdienst auf der Feuer- und Rettungswache 1 teilzunehmen. Interessierte melden sich per E-Mail an.

 

(Presseservice Oldenburg)

 

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