Neues zum Bahnausbau für den Jade-Weser-Port

Voraussichtlich bis zum Sommer muss der Rat der Stadt Oldenburg entscheiden, welche Position die Übermorgenstadt im Planfeststellungsverfahren (Abschnitt I) zum Bahnausbau für den Jade-Weser-Port vertritt. Die Kosten eines Ausbaus der Bestandsstrecke oder alternativer Umgehungstrassen sind * neben wichtigen immissionsschutz- und umweltschutzrechtlichen Fragen, die in einer separaten Machbarkeitsstudie zur Ermittlung konfliktarmer Korridore für Eisenbahnumgehungstrassen untersucht werden * von nicht unerheblicher Bedeutung. Am Donnerstag, 12. April, stellte die Stadtverwaltung ihre vom Rat beauftragte Kostenschätzung im Rahmen einer Pressekonferenz erstmals öffentlich vor.

Stadtbaurätin Gabriele Nießen dazu: *Da uns für die Bestandsstrecke keine belastbaren Zahlen von der Bahn vorgelegt wurden und für die zwei skizzierten Umgehungstrassen in einem so frühen Planungsstadium viele Kostenpunkte ungewiss sind * ich nenne hier nur die Kriterien von Grunderwerb und Entschädigungen, der Untergrundbeschaffenheit oder des Ausgleichs für Eingriffe in Natur und Landschaft * können diese drei Kostenschätzungen letztlich nur grobe Näherungen sein. Vergleichswerte mit anderen Ausbaustrecken der Bahn bestätigen unsere Ergebnisse aber. Eines lässt sich deshalb nicht in Abrede stellen: Die Kosten für Grunderwerb, Entschädigungen und für bauliche Herausforderungen sind beim Ausbau der Bestandsstrecke zwangsläufig geringer, und zwar nicht nur geringfügig.*

Die sogenannte Seefeldt-Trasse würde Kosten zwischen 254 und 344 Millionen Euro erzeugen. Kerngedanke dieser Trasse ist die Umgehung der Stadt, ohne Natur und Landschaft dabei allzu stark zu zerschneiden. Erreicht wird dies durch enge Führung entlang der A29, und dies überwiegend östlich. Wesentlich für die erheblichen Kosten sind das zwingend erforderliche Kreuzungsbauwerk südlich von Wahnbek, die neue Huntequerung in Form einer Klappbrücke sowie das Aufständerungsbauwerk entlang des Blankenburger Sees.

Konflikte der rund zwölf Kilometer langen Neubaustrecke bestehen unter anderem mit dem Naturschutzgebiet Bornhorster Wiesen und dem Vogelschutzgebiet Huntewiesen * das höchsten EU-Schutzstatus genießt. Überdies müsste die Hunte verkehrsrechtlich bedingt verbreitert werden, um neue Warteliegeplätze für die Seeschifffahrt anlegen zu können. Diese und weitere Fragen sind Gegenstand der Machbarkeitsstudie *Konfliktarme Korridore*, die der Fachpolitik am Montag, 16. April, im Verkehrsausschuss öffentlich vorgestellt wird.

Etwas geringere Kosten verursacht die von der Oldenburger Ratsfraktion Die Linke vorgeschlagene Trassenführung. Die Strecke kommt ebenfalls von Norden, verläuft eng westlich der A29 und gabelt sich in den Bahnhof einerseits und über die Hunte Richtung Hude andererseits. Eine Überführung der A29 entfällt bei dieser Strecke, auch quert die hier ebenso notwendige neue Klappbrücke die Hunte an einer breiteren Stelle, wodurch sich Kosten für Seeschiffswarteplätze leicht verringern. Die Trasse *Die Linke* erzwingt für Personenzüge von Wilhelmshaven nach Bremen einen nachteiligen Richtungswechsel im Oldenburger Hauptbahnhof.

Finanziell ungeklärt ist bei diesem Verlauf allerdings die ebenfalls neu zu bauende Anbindung Richtung Osnabrück. Käme diese nicht, blieben die logistischen und damit auch wohl wirtschaftlichen Konsequenzen für die Binnen- und Seeschifffahrt durch dann zwei zu betreibende Hunteklappbrücken unwägbar. Dies ungeachtet lägen die Kosten für die rund 13 Kilometer lange Neubaustrecke zwischen 232 und 320 Millionen Euro.

Dritter Untersuchungsgegenstand der Kostenschätzung ist der Ausbau der etwa neun Kilometer langen Bestandsstrecke. Schienenausbau, Elektrifizierung und Lärmschutzanlagen erfordern Mittel zwischen 52 und 81 Millionen Euro. Erwartungsgemäß nehmen die Kosten für die zu errichtenden Immissionsschutzanlagen hier den größten Posten ein. Für die Abschätzung wurde eine beidseitige, durchgehende Ausstattung mit Lärmschutzwänden kalkuliert, darüber hinaus werden passive Schutzeinrichtungen an Gebäuden sowie Entschädigungen anzusetzen sein. Hier sind gegenwärtig lediglich überschlägige Annahmen möglich.

Hinzuzurechnen wären die Kosten für die Bauwerke Alexanderstraße und Am Stadtrand. Hier sind die Planungen fortgeschrittener und die Kostenschätzungen mithin belastbarer. Zwei unterschiedliche Fälle sind dabei zu kalkulieren: einerseits Kosten der höhenungleichen Alexanderstraße mit Hochlegung der Bahn um vier Meter sowie ein höhengleicher Umbau des Bahnübergangs Am Stadtrand. Der Aufwand beläuft sich voraussichtlich auf insgesamt rund 30,8 Millionen Euro. Fall zwei wäre andererseits eine auch Am Stadtrand höhenungleiche Lösung via Unterführung. Die vorliegende Machbarkeitsstudie beziffert die Kosten in diesem Fall je nach Straßenführung samt Alexanderstraße auf 46,5 bis 53,4 Millionen Euro.

Alle vorgenannten Kostenschätzungen gehen davon aus, dass die Stadt Oldenburg finanziell nur dann beteiligt werden kann, wenn sie an bestehenden Kreuzungen von Straßen mit der Bahn oder Wasserstraßen Änderungen selbst veranlasst. Auch beschränkt sich die Studie auf steuerfinanzierte Investitionskosten, nicht auf die Folgen notwendiger Unterhaltung. Überdies fehlen in der Expertise aus Zeitgründen notgedrungen auch volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Kriterien, etwa veränderte verkehrliche Wartezeiten, kürzere Wege für Bürgerinnen und Bürger, eine Entlastung der Umwelt wie auch Fragen der Lebensqualität.

(Quelle: Pressebüro Stadt Oldenburg)

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