Plädoyer für das Handwerk – neue Ausbildungsmöglichkeiten

Das Handwerk ist derzeit einer der wohl wichtigsten Akteure für eine erfolgreiche Energiewende: Wohn- und Gewerbebauten werden mit erneuerbaren Energietechnologien ausgestattet, intelligente Stromzähler werden installiert und die Netzinfrastruktur wird fit für die Zukunft gemacht. Damit die Handwerksbetriebe ihre Rolle als Umsetzer der Energiewende erfolgreich einnehmen können, werden sie sich von reinem Spezialistentum und Domänendenken in Gewerken verabschieden müssen. Generalistisch geprägtes, gewerkeübergreifendes Leistungshandeln ist auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft gefragt. Zu diesem Ergebnis kommt eine empirische Studie des Fachgebiets Berufs- und Wirtschaftspädagogik an der Universität Oldenburg.

Die WissenschaftlerInnen um Prof. Dr. Karin Rebmann haben die Beschäftigungsfelder und Kompetenzbedarfe von Handwerksbetrieben vor dem Hintergrund der Energiewende umfassend untersucht. Ihre Studie ist innerhalb eines Verbundprojekts der Universität und des Bundestechnologiezentrums für Elektro- und Informationstechnik e.V. (BFE) entstanden, das mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird und sich der beruflichen Bildung für eine nachhaltige Energiewirtschaft widmet.

Der sukzessive Ausstieg aus der Kernkraft, der Ausbau regenerativer Energieanteile am bundesdeutschen Energieverbrauch, die umfassenden Energieeffizienzprogramme wie beispielsweise die Wärmedämmung von Gebäuden und der geplante Netzausbau machen auch vor dem Handwerk nicht Halt. “Energieversorgung und -nutzung sind künftig nicht mehr alleinige Arbeitsfelder von Energieversorgern und Großkonzernen. Die Transformation der Energiewirtschaft verspricht auch dem Handwerk neue rentable Geschäftsfelder und den Beschäftigten gute berufliche Entwicklungschancen”, erläutert Rebmann.

Für die empirische Studie befragten die WissenschaftlerInnen bundesweit über 450 Betriebe sowie 22 ExpertInnen. Dabei ging es unter anderem um die Veränderung beruflicher Tätigkeitsfelder durch die Energiewende, um qualitative Fachkräftebedarfe in Form beruflicher Kompetenzanforderungen, um zielführende Bildungsstrategien sowie energierelevante Lerninhalte und Lernziele. Die WissenschaftlerInnen konnten zeigen, dass sich zur aktiven Gestaltung der Energiewende die Arbeitssysteme in Handwerksbetrieben zunehmend im Sinne einer ganzheitlichen Auftragsbearbeitung verändern müssen.

“Im Handwerk werden fundiert ausgebildete MitarbeiterInnen gefragt sein”, so Rebmann. Sie sollten in der Lage sein, Kunden zu informieren und zu beraten, Prozesse zu planen und zu projektieren, Maßnahmen durchzuführen und zu überwachen. Dabei müssen sie umfassende energiewirtschaftliche Konzepte vermarkten und Geschäftsfelder entwickeln können. Die Qualifizierung zur Fachwirt/-in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (HWK) setzt diese Ziele praxisnah um.

Eine Konsequenz der Studie ist das berufsbegleitende Qualifizierungsangebot zur Fachwirt/-in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (HWK). Die bundesweit einmalige Fortbildung dauert ein Jahr, ist von der Handwerkskammer Oldenburg anerkannt und startet am 31. Mai. Wer die Gesellenprüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf bestanden hat und eine mindestens zweijährige Berufspraxis in seinem Beruf hat, kann sich beim BFE in Oldenburg anmelden.

Infos: http://www.bfe.de

Kontakt:

Prof. Dr. Karin Rebmann, Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Tel.: 0441/798-4130, E-Mail: karin.rebmann@uni-oldenburg.de; Dr. Tobias Schlömer, Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Tel. 0441/798-4675,E-Mail: tobias.schloemer@uni-oldenburg.de Dipl.-Ing. Thorsten Janßen, Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik e. V., Tel. 0441/34092-109, E-Mail: E-Mail: t.janssen@bfe.de

(Quelle: Presse Uni Oldenburg)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Regionalpolitik abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.