Podiumsgespräch zu Demokratie und Freiheitsrechten in Ungarn im Kulturzentrum PFL

Das Kulturbüro der Stadt Oldenburg lädt am Donnerstag, 3. Mai, um 19.30 Uhr zu einem Podiumsgespräch mit der ungarischen Philosophin und diesjährigen Carl-von-Ossietzky-Preisträgerin Ágnes Heller und prominenten Gästen in das Kulturzentrum PFL, Peterstraße 3, ein. Das Thema des Abends lautet “Demokratie und Freiheitsrechte in Ungarn –  Rechtspopulismus in der EU”. Ihre Gesprächspartner sind Prof. em. Dr. Lutz Niethammer (Jena), Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer (Bielefeld) und die ungarische Wissenschaftlerin Luca Váradi (Berlin). Moderiert wird die Veranstaltung von Rainer Sütfeld, NDR Kultur, Hannover. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung findet am Vorabend der Verleihung des Carl-von-Ossietzky-Preises der Stadt Oldenburg (Oldb) für Zeitgeschichte und Politik an Ágnes Heller statt. Heller erhält am 4. Mai, am Todestag Ossietzkys, im Rahmen eines Festaktes für geladene Gäste die Ehrung *aufgrund ihrer Furchtlosigkeit, mit der sie zeitlebens unter wechselnden Regimen ihren eigenen Überzeugungen gefolgt ist. Als europäisch und kosmopolitisch denkende Intellektuelle gibt sie einem verängstigten Europa ein eindrucksvolles Beispiel*, so die Begründung der Jury.

Heller wurde 1929 als Tochter jüdischer Eltern in Budapest geboren. In der Zeit des Nationalsozialismus konnte sie mit ihrer Mutter knapp den Judenverfolgungen entgehen. Nach dem Abitur 1947 studierte sie in Budapest bei dem marxistischen Philosophen Georg Lukács, promovierte und wurde seine Assistentin. Als Mitglied der kommunistischen Partei kam sie bald mit der Parteiführung in Konflikt. Sie wurde ausgeschlossen und mit

Berufs- und Publikationsverbot belegt. Nach jahrelangen systematischen Überwachungen und Bespitzelungen emigrierte sie 1977 nach Australien und lehrte dort als Soziologieprofessorin in Melbourne. Später übernahm sie als Nachfolgerin von Hannah Arendt den Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York. Inzwischen lebt Heller wieder in Budapest.

Aufgrund ihrer kritischen Haltung gegenüber der ungarischen Regierung von Victor Orbán, insbesondere ihrer Kritik an dem neuen ungarischen Mediengesetz und dem Erstarken rechtspopulistischer antidemokratischer Tendenzen im Land, sieht sich Ágnes Heller, wie auch andere ungarische Intellektuelle, zurzeit erheblichen Angriffen durch die dortige regierungsnahe rechtsnationale Presse ausgesetzt.

Hellers Gesprächspartner Prof. Dr. Lutz Niethammer war von 1993 bis 2005 Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2008/09 hatte er die Stiftungsprofessur des 1. Franz Vranitzky Chair for European Studies für Neuere Geschichte an der Universität Wien inne und ist seit 2011 Senior Advisor am Imre Kertész Kolleg Jena. Seine Forschungsschwerpunkte sind deutsche und europäische Zeitgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg, Diktaturfolgen sowie Erfahrungs- und Gedächtnisstudien, insbesondere Oral History.

Ebenfalls auf dem Podium ist Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer, Jury-Mitglied zur Carl-von-Ossietzky-Preisvergabe und diesjähriger Laudator. Heitmeyer ist Professor für Sozialisation an der Universität Bielefeld. 1996 gründete er dort das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung und leitet es seitdem. In der Vergangenheit war er Leiter verschiedener Forschungsgruppen zu Rechtsextremismus, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und ethnisch-kulturellen Konflikten und befasst sich intensiv mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Er ist Herausgeber umfangreicher Publikationen und Schriftenreihen wie “Kultur und Konflikt”, “Konflikt und Gewaltforschung”, *Deutsche Zustände” und Mitherausgeber des “International Journal of Conflict and Violence”.

Die gebürtige Ungarin Luca Váradi vervollständigt die Podiumsdiskussion. Sie ist zurzeit Stipendiatin an der Humboldt-Universität Berlin und stellt ihre Studie über Vorurteile ungarischer Jugendlicher gegenüber Roma in Ungarn vor.

Die Moderation des Abends übernimmt Rainer Sütfeld, Norddeutscher Rundfunk. Der Redakteur verfügt über langjährige Erfahrungen als Moderator bei Gesprächen über kulturelle und zeitgeschichtliche Themen.

Sütfeld war unter anderem von 2002 bis 2008 ARD-Korrespondent und Studioleiter in New York. Seitdem leitet er die Redaktion Kulturelles Wort des NDR-Landesfunkhauses in Hannover.

Der Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg wird alle zwei Jahre für Arbeiten, Gesamtwerke oder an Personen verliehen, die sich in herausragender Weise mit Leben und Werk Ossietzkys, dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus oder der demokratischen Tradition und Gegenwart befassen. Er kann auch zuerkannt werden für Arbeiten, die sich im Geiste Ossietzkys mit Themen der Politik und Zeitgeschichte auseinandersetzen.

Weitere Informationen zum Carl-von-Ossietzky-Preis gibt es im Internet unter www.oldenburg.de/cvo-preis.

(Quelle: Presse Stadt Oldenburg)

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