“Zwischen Provokation und Poesie” – Das frühe Druckgrafische Werk

Mit Paul Wunderlich widmet sich das Horst-Janssen-Museum einem der einflussreichsten Grafiker der 1960er Jahre in Deutschland. Wunderlich hat ebenso wie Horst Janssen an der Hamburger Landeskunstschule am Lerchenfeld studiert. Noch während seines Studiums wurde Wunderlich die Leitung der dortigen grafischen Werkstatt übertragen, wo er als Drucker für Emil Nolde und Oskar Kokoschka arbeitete. Hier führte der nur wenig ältere Wunderlich den Studienkollegen Janssen in die Kunst des Radierens ein. Für Horst Janssen war Paul Wunderlich “Vorbild, Lehrer und Gegensatz”, wie er in einer Laudatio anlässlich einer Ausstellungseröffnung für den Kommilitonen und Weggefährten betonte.

Die Ausstellung konzentriert sich auf Wunderlichs frühe Lithografien, die bis 1975 entstanden sind. Sie zeigen die Phase des Künstlers, in der sich seine unverwechselbare Bildsprache entwickelt hat. Die Lithografien zeichnen sich durch ihre hoch ästhetisierte Gestaltung, eine geradezu exzentrische Farbwahl und Experimentierfreude aus. Wunderlichs vielfältige Frauendarstellungen feiern eine kühle Erotik, die in stilisierten, in die Länge gezogenen Akten ihren unverwechselbaren Ausdruck findet. Zu den wichtigsten Blättern aus dem frühen lithografischen Schaffen Wunderlichs zählt zudem die skandalträchtige Mappe “qui s’explique”, die aufgrund ihrer homoerotischen Brisanz anlässlich einer Ausstellung im Jahr 1960 von der Hamburger Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und dem Künstler erst 1985 zurückgegeben wurde. Sie machte Wunderlich auf einen Schlag berühmt und ist in der Ausstellung zu sehen. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle entstanden, die aus Anlass einer großzügigen Schenkung des Berliner Kunsthändlers

Dieter Brusberg in den Besitz eines großen Bestandes an Lithografien von Wunderlich gelangt ist. Die Ausstellung wird durch zeitgleich entstandene Arbeiten von Horst Janssen ergänzt.

(Presse Stadt Oldenburg, Foto:Horst-Janssen, morg’n Sire, Collage, 1980, Galerie Brockstedt (c) Nicolai Stephan)

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