PRO*Niedersachsen unterstützt Forschungsprojekt zu Ortschroniken

Aktuelles Forschungsprojekt der Universität Oldenburg

Die Geschichte im Dorf lassen – Nationalsozialismus in deutschen Ortschroniken”, so lautet ein aktuelles Forschungsprojekt der Arbeitsstelle Regionale Geschichtskulturen der Universität Oldenburg, das vom Forschungsprogramm PRO* Niedersachsen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur gefördert wird. PRO* Niedersachsen unterstützt gezielt Vorhaben, die sich fach- und institutionsübergreifend mit regionalen Themen befassen.
Das Projekt “Die Geschichte im Dorf lassen” unter der Leitung der Historiker Prof. Dr. Dietmar von Reeken und Jun.-Prof. Dr. Malte Thießen beschäftigt sich mit Ortschroniken. Die Historiker untersuchen die Erzähl- und Darstellungsprinzipien, die Geschichtsdeutungen und die soziale Einbindung des Genres Ortschroniken. Kooperationspartner des Projekts sind unter anderem die Universitäten Göttingen und Hannover, die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, das Institut für Zeit- und Regionalgeschichte Schleswig sowie die Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten.
“Ortschroniken erfuhren seit den 1970er Jahren einen Boom”, betont von Reeken. Damit seien sie ein wichtiger Teil der bundesdeutschen Geschichte. In Dörfern, Kleinstädten oder Stadtteilen entstanden Ortschroniken oftmals durch die Mitarbeit zahlreicher ehrenamtlicher Laienautoren, die – aus dem Ort für den Ort – recherchierten und schrieben und so maßgeblich zur lokalen Identitätsstiftung beitrugen.

Soziale Funktionen der Chroniken von Wissenschaftlern untersucht

Das Genre fand in der Forschung bisher wenig Beachtung. Dabei werden in Ortschroniken die sozialen Funktionen von Erinnerungen wie unter einem Brennglas sichtbar. Im Rahmen des Projekts untersuchen die Wissenschaftler Chroniken aus Niedersachsen und dem ganzen Bundesgebiet, wobei die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus im Zentrum steht. “Der Nationalsozialismus stellt für Chronisten eine besondere Herausforderung dar. An seiner Darstellung lässt sich die Beziehung zwischen Geschichtsschreibung und lokaler Identität besonders gut nachvollziehen”, erklärt Thießen. Die Analyse werfe damit gleichzeitig einen schärferen Blick auf den bundesdeutschen Umgang mit dem Nationalsozialismus nach 1945, der bislang vor allem auf nationaler Ebene untersucht worden sei.
Anschließend widmen sich die Wissenschaftler anhand repräsentativer Fallbeispiele den Entstehungshintergründen, der Verbreitung und Rezeption einzelner Chroniken. Hierfür sind an ausgewählten Orten Interviews mit ChronikautorInnen, MitarbeiterInnen regionaler Institutionen sowie lokaler RepräsentantInnen geplant. Das Projekt “Die Geschichte im Dorf lassen” ist auf zwei Jahre angelegt.

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